„Mit sieben Jahren begann sie mit dem Komponieren!“

Komponistin Charlotte Seither begeistert am GGG

Christian Becker steht fasziniert in der Aula des Johann-Wolfgang-Goethe-Gymnasiums Germersheim. Der seit 2016 pensionierte Oberstudienrat schwärmt von den enormen künstlerischen Qualitäten seiner ehemaligen Schülerin Charlotte Seither, die 1985 ihr Abitur am Goethe-Gymnasium abgelegt hat und mittlerweile eine der großen Aushängeschilder der Schule ist. Die ehemalige Rülzheimerin, welche mittlerweile in Berlin lebt, zupft an einer Saite des beeindruckenden Flügels und drückt gleichzeitig drei Tasten, um einen ganz besonderen Ton zu treffen, während das Publikum des Goethe-Forums gebannt lauscht.

Die vom Freundeskreis des GGG veranstaltete Vortragsreihe, die am 4. Dezember 2017 nun ihre sechste Fortsetzung fand, gab den zahlreich erschienenen Gästen, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern Einblicke in die Arbeit einer der bekanntesten deutschen Komponistinnen. Charlotte Seither, die in Hannover und Berlin Komposition, Klavier, Germanistik und Musikwissenschaft studierte, erzählte, wie sie ihr Auftragswerk „Herzfalter für Tenor und Klavier“ komponiert hatte und wie dieses auf der EXPO 2000 im deutschen Pavillon uraufgeführt wurde. Hierbei hatte sie die Möglichkeit, in abgeschiedener Ruhe im ehemaligen Haus von Lion Feuchtwanger in Los Angeles zu komponieren, in welchem dieser auch Thomas Mann und Bertolt Brecht empfangen hatte. Da der Termin der Weltausstellung in Hannover freilich strikt einzuhalten war, sei sie einem enormen Zeitdruck ausgesetzt gewesen, was das Schreiben aber besser mache.

Bezüglich des Liedtexts habe sie sich auf eine mittlerweile beachtliche Sammlung von Texten verlassen können, die sie im Laufe der Zeit gesammelt habe. Zudem könne sie viele Leute anrufen, die ihr zuarbeiteten. Lyrik habe für sie immer eine große Rolle gespielt. Viele Stücke seien aber auch ohne Text denkbar, oftmals komponiere sie aber auch in einer Kunstsprache. Entscheidend sei, wie sich der Text in die Musik hineindrehe. Eine Zeit lang habe sie ihre eigenen Werke auch selbst auf die Bühne gebracht. Inzwischen finde sie es aber spannender, die Interpretation Anderer zu hören. Sie freue sich, wenn die Interpreten eigene Ideen einbrächten. Spontane Veränderungen auf der Bühne gebe es allenfalls bei der Dynamik. Meistens sei die erste Idee genau richtig. Während des Komponierens selbst gebe es aber viele Änderungen.

Die Klangforscherin, die mit sieben Jahren angefangen habe zu komponieren und aus dem Klavier sehr viel mehr als aus dessen 88 Tasten heraushole, erklärte, sie benutze ein Abkürzungssystem, eine Art Kurzschrift. Die Reinschrift aber dauere sehr lange, da sie mit Tusche arbeite. Ihr, einem Mitglied im GEMA-Aufsichtsrat, sei es möglich, von ihrer Kunst zu leben, was aber nur wenigen gelinge. Den Beruf Komponistin müsse man sich selbst schaffen, man könne nicht beraten werden, dies zu tun. Insgesamt habe aber jeder irgendwelche Fähigkeiten. Die anwesenden Jugendlichen rief das Präsidiumsmitglied im Deutschen Musikrat dazu auf, Nischen zu nutzen.

Bereichert wurde der äußerst gelungene Abend zudem durch „An die Musik“ von Franz Schubert. Mit dem 1817 aus der Feder von Franz von Schober stammenden Loblied bewies die Dreizehntklässlerin Clara Schardt einmal mehr ihr riesiges Gesangstalent. Gekonnt begleitet wurde sie hierbei von Jan Wolf (MSS 13) am Klavier. Vorausgegangen war eine sehr überzeugende Rezitation desselbigen Stücks durch Jarno Rutschke (ebenfalls Jahrgangsstufe 13).

Vor der Veranstaltung mit Charlotte Seither konnte das Goethe-Forum seit Herbst 2014 bereits mit großen Höhepunkten aufwarten: Neben persischer Dichtung und Berichten über Berggorillas in Uganda und den A380 standen Vorträge über die Liparischen Inseln und die Seidenstraße sowie die Lesung „Knalltrauma“ auf dem Programm. Im Frühjahr 2018 soll die Wirtschaftsmathematik im Mittelpunkt stehen.

 

Dirk Wippert

 

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