Wie kann man Menschen unterstützen, die sich in einer seelischen Notlage befinden? Wie reagiert man, wenn jemand eine Panikattacke erlebt? Und wie können wir sowohl die psychische Gesundheit anderer als auch unsere eigene stärken?
Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich Interessierte aus der Schulgemeinschaft, darunter die Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter sowie Vertreterinnen der Schülervertretung, bei einem eintägigen Workshop unter der Leitung der Diplom-Psychologin Birgit Stetter.

Die Schulung orientierte sich an den Inhalten von Mental Health First Aid (MHFA), der sogenannten Ersten Hilfe für psychische Gesundheit. Ziel war es, einen bewussteren Blick für psychische Belastungen zu entwickeln und mehr Sicherheit im Umgang mit betroffenen Mitschülerinnen und Mitschülern zu gewinnen. Neben der SV, vertreten durch Mia, Amelie und Andrijana, den Sanis und weiteren Interessierten nahmen auch die Vertrauenslehrerin Frau Würth, Herr Heß als Leiter der Sani-AG, Frau Thölke aus der Schulsozialarbeit und die Lehrerinnen Frau Taillandier und Frau Zimprich teil.
Zu Beginn stand das Thema Resilienz im Mittelpunkt. Darunter versteht man die Fähigkeit, mit Belastungen und schwierigen Lebenssituationen umzugehen. Gemeinsam überlegten wir, was unsere psychische Widerstandsfähigkeit stärkt. Neben ausreichend Schlaf, Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung spielen auch Selbstvertrauen, soziale Kontakte und ein unterstützendes Umfeld eine wichtige Rolle. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und bei Bedarf Unterstützung anzunehmen.
Anschließend beschäftigten wir uns mit Angst als natürlicher Schutzreaktion des Körpers und damit, wie sich starke Angst bis hin zu einer Panikattacke äußern kann. Auch Depressionen, psychische Belastungen sowie Suizidgedanken und Selbstverletzung waren Themen des Workshops. Dabei ging es vor allem darum, mögliche Anzeichen besser einordnen zu können, aufmerksam zuzuhören und Betroffenen verständnisvoll zu begegnen. Gerade in akuten Situationen können eine ruhige Ansprache, ein offenes Ohr und das Gefühl, ernst genommen zu werden, viel bewirken.
Denn körperliche und psychische Gesundheit lassen sich oft nicht voneinander trennen. Wer als Schulsanitäterin oder Schulsanitäter bei körperlichen Beschwerden hilft, begegnet möglicherweise auch Menschen, die psychisch belastet sind. Umso hilfreicher ist es, solche Situationen besser einschätzen und ein beruhigendes Gespräch führen zu können. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Krisen eigenständig zu bewältigen oder psychische Erkrankungen zu behandeln. Vielmehr sollen alle Teilnehmenden mit einem offeneren Blick durch den Schulalltag gehen, sensibler für die Bedürfnisse anderer werden und wissen, wann es wichtig ist, weitere Unterstützung hinzuzuziehen.
Mit Frau Taillandier und Frau Thölke gibt es am GGG zudem MHFA-ausgebildete Ansprechpersonen. Frau Thölke ist als Schulsozialarbeiterin weiterhin eine zentrale Ansprechpartnerin für Schülerinnen und Schüler, die Unterstützung benötigen. Die Schulung soll dazu beitragen, Hemmschwellen abzubauen und den Weg zu diesen Anlaufstellen zu erleichtern. Die Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter können so ebenso wie andere interessierte Mitglieder der Schulgemeinschaft dazu beitragen, dass psychische Gesundheit mehr Aufmerksamkeit erhält und Hilfsangebote frühzeitig genutzt werden.
Insgesamt war der Workshop für alle Beteiligten eine wichtige Weiterbildung und eine lehrreiche Erfahrung. Er hat gezeigt, dass Erste Hilfe nicht nur den Körper betrifft, sondern auch die Seele – und dass es oft schon einen Unterschied macht, aufmerksam zu sein, zuzuhören und zu wissen, wo man Hilfe finden kann. Und dass die Stärkung der eigenen Resilienz nicht unterschätzt werden sollte.
Ein besonderer Dank gilt Frau Birgit Stetter, die den Workshop lebendig, anschaulich und interessant gestaltete.
Florian Vorpahl (MSS 12)
