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„Was, wenn so etwas wie die Machtergreifung durch das NS-Regime heute wieder passieren würde?“ – Die Theater-AG versetzt Morton Rhues Die Welle an das GGG

Es war wie üblich nicht besonders schwer, unsere Darstellerinnen und Darsteller für den Stoff zu begeistern, den wir uns für das Stück vorstellen konnten. Nur die eigene Note einzubringen, das war den Schülerinnen und Schülern wieder einmal wichtig und wie gewohnt ein großer Gewinn.

Und so spielte „unsere Welle“ also am GGG. Aus den Footballspielern wurden beispielsweise Volleyballer unter Herr Steins Leitung, aus Laurie wurde Marie und die Buchvorlage wurde mit Gesang und Tanz erweitert.

Was aber bleibt, ist die wichtige Botschaft dieses Stückes: Die Warnung vor potentiellen Gefahren von Gruppenzwang, Macht und Verführbarkeit im Austausch für das freie Denken. Dabei klingen Punkte wie Disziplin und Gemeinschaft doch auf den ersten Blick sehr wünschenswert, oder?

Gerade hier ergänzten die Songs Hallo Oma von Marlo Grosshardt, Believer von Imagine Dragon und Die Gedanken sind frei die Bedrohung durch faschistoides Handeln und Denken, wobei die Choreographien teilweise vollständig selbst von den AG-Mitgliedern parallel zu den Proben entwickelt wurden. Sie ließen wieder einmal keine Pause ungenutzt verstreichen. Sobald man in einer Szene nicht vertreten war, wurde das Team um Alisa Dargel unterstützt, das für das Bühnenbild bastelte und malte, oder eben getanzt. Der Einsatz und die Leidenschaft dieser Truppe beeindrucken uns jedes Mal aufs Neue!

Die Besetzung schaffte es erneut, voll zu überzeugen und dieses Jahr muss man quasi sagen, das betrifft den Jahrgang 5 bis zum imaginären Jahrgang 14, denn Carolina Langolf blieb uns noch bis über das Abitur hinweg erhalten und spielte gemeinsam mit Lara Lobacz (MSS 11) die energetisch-sympathische Freidenkerin Alex. Sein Debüt auf der GGG-Bühne gab Vito Bohsung (10y) und das direkt in einer Hauptrolle mit Robert, dem Schüler, der sich am stärksten von der Welle mitreißen lässt. Seine Darstellung war so eindrucksvoll, dass eine Zuschauerin sich besorgt im Finale an uns wandte und meinte, da hätte ein Schüler einen Zusammenbruch. In der Abendbesetzung spielte Sascha Kunstmann (8y) Robert, die ebenfalls einen gewohnt tollen Job machte und uns immer wieder zeigt, wie viel Sourveränität und Routine man in Klasse 8 schon haben kann. Generell war wie immer auf die erfahreneren Hasen Verlass: Greta Hahn (MSS 11) und Rebekka Schmidt (7y) legten ihre Marie jeweils unterschiedlich, aber gleichermaßen gekonnt an und überzeugten vor allem im emotionalen Zusammenspiel mit ihren jeweiligen Partnern. Colin Gütt (MSS 11) legte dabei eine gute Premiere als David hin und auch Dunya Mesfioui (7y) zeigte in dieser Rolle eine beeindruckende Bandbreite vom mitgerissenen Sportler bis hin zu einem von sich selbst schockierten Teenager, der sich bis zur Gewalt gegen seine Partnerin treiben lässt.

Ein Stück, das so sehr von Gruppendynamik lebt wie Die Welle, ist logischerweise auf eine lebendige Schülergruppe angewiesen, die das Klassenzimmer und die Versammlungen der Bewegung mit Leben füllt und den Wandel vom wilden Chaos zu Disziplinfanatikern verkörpert. Angeführt von den dominierenden Schülern Marvin (Angelina Kunstmann, MSS 11 / Mila Benz, 8a), Leon (Philipp März, 8y / Vanessa Kretschmann, 7c), Anna (Emma Deusch, 7d / Lia Bomm, 7y), Luna (Ida Dietrich, 6a / Marie Krisch, 5f) verbreitete unsere Schülergruppe mit Ida Mathaei (5e), Anne Gabel (6a), Jule Visel (7c), Alena Grimm (7d), Greta Schwab (7d), Johanna Strentzsch (7y), Anna Kapp (7y), Nele Trauth (7y), Hermine Holstein (8a), Katharina Linder (8b), Laini Pscherer (8b) und Alina Schröder (MSS 12) sehr authentisch und liebevoll chaotisch den ganz normalen Schulwahnsinn, aber zeigten dann eben auch die ansteckende Begeisterung und gefährliche Eigendynamik der Welle-Bewegung.  

Auf der (fiktiven) Lehrerseite sorgte Nell Elice (MSS 11) als die Schülerzeitung betreuende Frau Steul für eine sehr sympathische Hommage an Herrn Steul und seine GGG Weekly und auch Noah Lobcacz (10y) konnte als Schuldirektor Herr Stein einerseits für Schmunzler sorgen, wenn er Insider wie die angebliche Hobby-Horsing-Leidenschaft verkörperte, aber andererseits auch als ernsthaft um seine Schülerinnen und Schüler besorgter Schulleiter voll überzeugen.

Bliebe da noch der Mann, der das Welle Experiment lostritt und spätestens durch die Fixierung seiner Schüler im Zuge der Bewegung zum absoluten Mittelpunkt des Stückes wird: Mit Ben Ross wurde nach einem Jahr des Aussetzens wieder eine männliche Hauptrolle großartig von Timo Hüner aus der MSS 11 verkörpert, der eine gewohnt starke Präsenz aufbaute und von dem im Haushalt etwas überforderten Ehemann über den lockeren Junglehrer bis hin zum (An-)Führer der Welle, der sich selbst mitreißen lässt und letztlich doch schockiert zur Besinnung kommt, alle Facetten abdecken konnte. Highlights waren dabei auch immer die kleineren Szenen, in denen er sich mit seiner Frau Christy mal spielerisch, mal kontrovers über sein Experiment austauschte. Ramona Neu aus der 8y und Marie Köhler aus der 8a begeisterten dabei mit ihren charismatischen Darstellungen zwischen Belustigung und Entsetzen der Ehefrau.

Die Theater-AG unter der Leitung durch Jennifer Zimprich, Rebekka Christmann und Mathias Metter blickt also stolz auf das Ergebnis des letzten Jahres zurück und freut sich schon auf das nächste Stück im kommenden Schuljahr.

 

Matthias Metter

 

 

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