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Rezension zur Inszenierung von Der Goldene Topf am Badischen Staatstheater Karlsruhe

Der goldene Topf von E.T.A. Hoffmann ist „Ein Mährchen aus der neuen Zeit“, so die Titelunterschrift des Autors, und wurde 1814 veröffentlicht. Unter der Regie von Juliane Kann wurde 2018 daraus ein Theaterstück erschaffen. Insgesamt eine sehr lustige und unterhaltsame Aufführung, jedoch erkennt man nach meiner Meinung die Literaturepoche der Romantik zu wenig.

In Dresden, im 19. Jahrhundert, Anfang Februar, wird Anselmus, ein tollpatschiger junger Mann, von einer Hexe verflucht, da er über ihren Verkaufsstand stolpert. Er verliebt sich in eine mystische, blauäugige Schlange, jedoch denkt er, dass er sich dies nur eingebildet hat. Deshalb verliebt er sich ebenfalls in Veronika, welche ihn als Mann möchte, da er wahrscheinlich Hofrat wird. Anselmus kopiert Schriften für den Archivarius und eines Tages erkennt er, dass die Schlange, Serpentina, Tochter des Archivarius, doch echt ist und wird mit ihr glücklich. Veronika und Heerbrand heiraten, da nun eben dieser Hofrat geworden ist. Somit hat das Werk ein Happy End.

Es gibt nur wenige Dinge zu bemängeln. Die am wenigsten überzeugende Umsetzung ist vermutlich die der Schlange. Sie wird durch ein grünes Band, Geräusche und viel zu große blaue Augen, die meist nur durch Ballons dargestellt werden, gezeigt. Dadurch sind einige Szenen eher lächerlich oder lustig, anstatt mystisch und romantisch. Eine eigene Schauspielerin für die Schlange wäre vermutlich besser gewesen. Außer der Schlange gibt es nur Kleinigkeiten, die besser dargestellt werden könnten, wie z. B. der Anfang der Geschichte. Anselmus wird von der Hexe verflucht, aber falls man das Märchen nicht gelesen hat, weiß man gar nicht warum, da nur ein Apfel gezeigt wird und man kaum das Missgeschick des Anselmus‘ erkennt. Zu kritisieren ist weiterhin noch der „Spiegel“, welcher nur eine Decke aus Silberfolie ist. Man hätte auch einen echten Spiegel als Requisite benutzen können, wodurch die Szene authentischer gewesen wäre, auch wenn man dann die lustige Passage mit der Verheimlichung der Decke nicht hätte. Der letzte negative Punkt ist die Verwandlung des Archivarius in einen Raben. Er hebt eine Feder an sich und macht so, als würde er mit den Flügeln schlagen. Das empfindet man wieder eher als komisch oder lächerlich und man sieht nicht genau, was das darstellen soll.

Die meisten Szenen wurden aber ausgezeichnet dargestellt und umgesetzt. Der Holunderbusch raschelt und bewegt sich, indem sich Schauspieler darin verstecken. Die Musik passt genau zur Szenerie, ob Techno-Musik in einem Club auf der Suche nach dem richtigen Haus, ob mystische Klänge, während Anselmus merkwürdige Erscheinungen sieht oder im Hintergrund die Feierlichkeiten des Himmelfahrttages zu hören sind. Außerdem werden mit der Tontechnik die Stimmen passend verändert, wie z. B. der Hall einer Stimme in einer träumerischen Vision oder das Ächzen einer Krähe. Die Darsteller waren passend gekleidet. Anselmus z. B. trägt ein lockeres Hemd und Herr Paulmann ein feines Hemd mit Sakko. Nur Heerbrand fällt etwas aus der Rolle, im Theater ist er der lustigste, etwas chaotische Schauspieler und verhält sich nicht so aufgeblasen wie Paulmann. Dies macht die Aufführung wieder unterhaltsam und komödienhaft. Die Hexe verwirrt zunächst, da sie oft verschieden gekleidet war und man oft nicht ganz verstanden hat, was sie gerade macht, aber ich finde, das passt gut zur Hexe, da man nicht sofort alles durchschaut. Allgemein haben die Schauspieler ihre Rollen glaubhaft dargestellt, z. B. als sie zu viel getrunken haben, da sich zuerst alle eher steif verhalten und dann immer lockerer und redselig werden. Das Bühnenbild war ständig im Wandel, wodurch die Aufmerksamkeit erhalten blieb. Zudem waren die Wechsel der Szenerien gut durchdacht. Z. B. „gehen“ die Büsche einfach aus dem Bild oder Paulmann besorgt Stühle und einen Tisch, während Veronika auf sehr lustige Weise den „Spiegel“, durch den sie Anselmus beobachtet, versteckt. Die meisten Handlungen spielen sich in einem beleuchteten Kasten, dessen Rückwand durchsichtig und verstellbar ist, ab, dadurch können verschiedene Räume perfekt dargestellt werden. Das Bühnenlicht wurde auch passend benutzt, z. B. als Anselmus in Glas gefangen wird und das Licht den Kristall darstellt.

Das Stück wurde meiner Meinung nach äußerst gut umgesetzt und war sehr unterhaltsam. Es gibt zwar einige kleine Kritikpunkte, jedoch werden diese von den unübertrefflichen Schauspielern und deren Darstellung wieder wettgemacht. Das einzige, woran man eventuell denken muss, bevor man sich die Inszenierung ansieht, ist, dass die Regie das Romantische mehr in eine Komödie verwandelt hat. Ansonsten kann ich nur jedem, der sich für Theater interessiert, empfehlen, sich „Der goldene Topf“ anzusehen.

Foto: Felix Grünschloß
Jannek Petri (Archivarius Lindhorst), Luis Quintana (Anselmus), Sts. Timo Tank (Konrektor Paulmann), Kim Schnitzer (Veronika)

 

 

Max Sefrin (de1)

 

 

 

 

 

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