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„Langweilig? Seriös!“ – Rheinpfalz-Hauptstadtkorrespondent Winfried Folz diskutiert digital mit LK Sozialkunde

„Als wie seriös würden Sie Ihre Zeitung einschätzen?“, fragt Dennis Hodzic. Der Elftklässler sitzt an seinem Laptop und wartet gespannt auf die Antwort von Winfried Folz. Der Hauptstadtkorrespondent der Rheinpfalz blickt interessiert in die Kamera seines Rechners in Berlin und gibt eine klare Auskunft: „Oft wird uns vorgeworfen, wir seien langweilig, aber wir recherchieren sehr seriös! Wir setzen selbst Themen und erhalten keine Order aus Ludwigshafen, was wir schreiben sollen!“

Aber nicht nur die Frage bezüglich der Seriosität bereicherte am 2. Juli 2020 die Videokonferenz des Leistungskurs Sozialkunde (MSS 11) am Johann-Wolfgang-Goethe-Gymnasium Germersheim mit dem aus Speyer stammenden Redakteur der Rheinpfalz, sondern auch zahlreiche weitere Debattenpunkte der zwölf Schülerinnen und Schüler zum Thema „Journalismus in Zeiten von Corona und Fake News“.

Aber nicht nur die Frage bezüglich der Seriosität bereicherte am 2. Juli 2020 die Videokonferenz des Leistungskurs Sozialkunde (MSS 11) am Johann-Wolfgang-Goethe-Gymnasium Germersheim mit dem aus Speyer stammenden Redakteur der Rheinpfalz, sondern auch zahlreiche weitere Debattenpunkte der zwölf Schülerinnen und Schüler zum Thema „Journalismus in Zeiten von Corona und Fake News“.

Jonas Huber erkundigte sich nach dem Grad der Meinungsfreiheit in den deutschen Medien, woraufhin Winfried Folz unterstrich, dass der Begriff „Systemmedien“ ein Begriff der politischen Rechten sei. Bezüglich ihrer Berichterstattung bekomme die Rheinpfalz vorher keinen Anruf aus dem Kanzleramt. Auch bei den anderen Zeitungen mit Ausnahme der BILD-Zeitung gehe es um sachliche Artikel. Emily Berges Nachfrage, ob eine Abgrenzung von BILD notwendig sei, bejahte Folz und hob hervor, dass BILD, deren Auflage sich im Sinkflug befinde, massiv gegen den Opferschutz verstoße, um wieder erfolgreicher zu werden. Sena Engin hakte nach, ob BILD-Leser sich auf einer anderen sozialen Stufe befänden, woraufhin Folz erklärte, dass jeder lesen könne, was er wolle, mit BILD-Lesern aber kontroverse Diskussion entstünden, da sie häufig eine eingeschränkte Sicht hätten. Victor Kusterer wollte wissen, ob sich die seriöse Berichterstattung auf dem Weg nach unten befände, woraufhin Folz betonte, dass Facebook und Co. bedauerlicherweise nicht dasselbe Presserecht einhalten müssten wie die Printmedien. Im Gegensatz dazu habe die Rheinpfalz seit mindestens zehn Jahren keine Gegendarstellung mehr abdrucken müssen und habe bei einer Auflage von 200.000 Exemplaren 500.000 Leser/innen. Aus demographischen Gründen werde die Auflage sinken, weshalb andere Angebote wie die App weiterentwickelt werden müssten.

„Ab wann sind für Sie Fakten verifiziert?“, wollte Paul Wagner wissen, woraufhin Folz einräumte, dass es manchmal haarsträubende Informationen von Lesern gebe, was aber wirklich Ausnahmen seien. Er vertraue Quellen, auf die er sich verlassen könne. Hierbei stütze er sich auf die Informationen von der Deutschen Presseagentur und pflege einen direkten Kontakt zu den Abgeordneten. Auf Twitter, Facebook und Wikipedia wolle er selbstverständlich auch nicht verzichten, gab Folz auf Nachfrage von Nils Altmann zu.

Fabienne Rieder fragte nach der Vorgehensweise, einen Artikel zu schreiben. Folz erläuterte, eine Gliederung habe er zumeist recht schnell im Kopf und auch das Schreiben am Artikel gehe zumeist zügig. Wichtig sei aber die zeitintensive Vorarbeit. Lea Schülers Frage, ob er schon einmal eine Schreibblockade gehabt habe, verneinte Folz. Zu Beginn des Berufs habe er zwar manchmal „wie der Ochs vorm Berg gestanden“, aber heute bereite allenfalls das Basteln am ersten Satz Schwierigkeiten. Zumeist habe er viel Material, das er verbauen könne. Emily Berge thematisierte die Sprache im Journalismus, woraufhin Folz ausführte, dass ein großer Sprachschatz wichtig sei. Nicht immer dieselben Floskeln sollten verwendet werden.

Dennis Hodzic erkundigte sich nach dem interessantesten Interview, das Folz bislang geführt habe und bekam „Guido Westerwelle“ zur Antwort. Vom ehemaligen Außenminister habe er zuvor keine so gute Meinung gehabt, aber nach dem Interview mit ihm ein anderes Bild erhalten. Bei der ehemaligen SPD-Chefin Andrea Nahles habe er den Eindruck gehabt, dass bei der Autorisierung jede Antwort umgeschrieben worden sei, während ihr Vor-Vorgänger im Amt, Sigmar Gabriel, sogar Fragen und Antworten selbst dazugeschrieben habe, welche im Interview gar nicht vorgekommen seien. Beim ehemaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck habe er eigentlich gar kein Interview führen müssen. Am Ende hätte er die Antworten selbst formulieren können und hätte immer richtiggelegen.

Katharina Kirchners Frage zu Tilo Jungs Verhalten in Pressekonferenzen beantwortete Folz damit, dass dieser ein interessanter Typ sei. Anfangs habe er die Politik vorführen wollen und sei durch Zusammenschneiden von Videoausschnitten nicht immer fair gewesen. Mittlerweile jedoch habe er dazugelernt und stelle jetzt ganz einfache Fragen, die die Politiker/innen sehr herausforderten.

Ob seine Tätigkeit Nebenwirkungen auf sein Privatleben habe, wollte Alec Daudert wissen. Folz verneinte dies für Berlin, zu Hause in der Pfalz sei man als Journalist jedoch immer im Dienst, was nicht immer ganz einfach sei, wodurch man aber sehr viel erfahre.

Fabienne Rieder und Lea Schüler thematisierten die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Journalismus, woraufhin Folz ausführte, dass Hintergrundberichte nun schwieriger zu schreiben seien, da man abgeschnitten von den Quellen sei.

Der Rheinpfalz-Journalist selbst wollte von den Schüler/innen wissen, was die Rheinpfalz tun müsse, um attraktiver zu werden. Jonas Huber wünschte sich hierbei, dass auch einzelne Artikel statt der gesamten Zeitung bestellt werden können. Von mehreren Schüler/innen wurde die Tagesschau-App gelobt.

Zum Abschluss erkundigte sich Winfried Folz, wer von den Schüler/innen sich denn selbst vorstellen könne, in Richtung Journalismus zu gehen und unterstrich dabei, dass die frühe Praxis hierbei das Wichtigste sei.

Nach neunzig Minuten intensiver Diskussion kann das Goethe-Gymnasium auf eine sehr gelungene Veranstaltung zurückblicken. Diese war auf Initiative des Rheinpfalz-Hauptstadtkorrespondenten zustande gekommen, nachdem die Schüler/innen des Leistungskurses Sozialkunde zu seinem Kommentar zur aktuellen Situation der FDP Leserbriefe verfasst hatten, von denen vier veröffentlicht wurden.

Bereits Ende April und Mitte Juni hatte der Leistungskurs mit dem CDU-Politiker Thomas Gebhart, dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Gesundheitsminister, und mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Hitschler Videokonferenzen abgehalten. Durch das Meeting mit dem Journalisten Winfried Folz wurde diese digitalen Gesprächsrunden nun ideal ergänzt.

Dirk Wippert

 

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